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title: "Mehr als ein Chatbot 4: KI dort, wo die Arbeit passiert"
description: Erfahren Sie, wie unklare Chatbot-Funktionen frustrieren können und wie eine optimierte Benutzeroberfläche Klarheit und Effizienz schafft.
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# [Mehr als ein Chatbot 4: KI dort, wo die Arbeit passiert](https://www.anacision.de/de/blog/mehr-als-ein-chatbot-4-ki-dort-wo-die-arbeit-passiert-vier-beispiele-aus-der-praxis)

 Geschrieben von [anacision GmbH](https://www.anacision.de/de/blog/author/anacision-gmbh) | 05. November 2026

*Wie sich die Oberfläche aus Aufgabe, Arbeitskontext und notwendiger Nutzerkontrolle ergibt.*

Im letzten Teil haben wir fünf Dimensionen für die Wahl einer KI-Oberfläche vorgestellt. Nun wenden wir sie auf reale Systeme an, die wir für unseren Kunden, die Berufsgenossenschaft BG ETEM, entwickelt haben. Die Aufgaben sind unterschiedlich, doch alle Beispiele folgen demselben Grundsatz: Die KI steht nicht als separater Chatbot neben dem Arbeitsprozess. Ihre Ergebnisse erscheinen dort, wo die Nutzenden sie benötigen.

## Regress KI: Rentable Regressfälle auf einen Blick

**Ausgangslage.** Die BG ETEM übernimmt zunächst die Kosten für Unfälle der Versicherten, kann sich aber teilweise das Geld bei anderen Versicherungen (z.B. bei einem Autounfall beim Unfallverursacher) zurückholen. Dazu müssen Unfälle auf mögliche Regressansprüche überprüft werden, was bei der großen Menge an jährlichen Unfällen jedoch schwierig ist.

**Beitrag der KI.** Das System schätzt anhand von früheren Fällen die Wahrscheinlichkeit eines Regressanspruchs und die voraussichtlichen Gesamtunfallkosten, um daraus die erwartbaren Regressansprüche zu berechnen. Danach können verantwortliche Mitarbeitende sortieren und filtern.

**Oberflächenentscheidung.** Eine priorisierte Übersicht macht vielversprechende Fälle unmittelbar sichtbar. Ein Chatbot würde dagegen erst auf eine konkrete Frage reagieren und jeweils nur einen Ausschnitt zeigen. Die Übersicht unterstützt die Arbeitsplanung proaktiv.

**Prüfung und Nutzen.** Mitarbeitende sehen die priorisierten Fälle, können die Einschätzung im fachlichen Kontext prüfen und entscheiden selbst über die weitere Bearbeitung. Allein in der Pilotphase wurden so 1,1 Millionen Euro Mehreinnahmen generiert, da unentdeckte Regressansprüche sichtbar wurden.

## RehaPlus: Strukturierte Erfassung im Telefonat

**Ausgangslage.** Beim telefonischen Erstkontakt sprechen Fachkräfte der BG ETEM mit verunfallten Personen und erfassen deren Situation. Die für die Einschätzung benötigten Informationen sind weitgehend bekannt.

**Beitrag der KI.** Die Angaben fließen in ein KI-System ein, das abschätzt, ob für einen Fall Reha-Management erforderlich ist, wie lange die verunfallte Person ausfallen wird und wie hoch die Behandlungskosten sein werden. Daraus können Fachkräfte Fälle priorisieren und prüfen.

**Oberflächenentscheidung.** Ein strukturiertes Formular passt besser als ein Chat. Es führt durch die bekannten Angaben, unterstützt eine vollständige Erfassung und ist direkt in das etablierte RehaPlus-System eingebettet. Es entsteht weder ein zusätzlicher Kanal noch ein Medienbruch.

**Prüfung und Nutzen.** Die Fachkräfte führen das Gespräch, prüfen die erfassten Angaben und entscheiden über das weitere Vorgehen. Die Klicks für die Fragen mit Auswahlmöglichkeiten sind schneller erledigt als Freitext zu schreiben.

## UADOK+: Vorschläge direkt bei der Unfallkodierung

**Ausgangslage.** Kodiererinnen und Kodierer der BG ETEM ordnen Unfallursachen und Unfallabläufe verschiedenen Kategorien und jeweils einem von vielen möglichen Schlüsseln zu. Die Auswahl erfordert Fachwissen und kann aufwendig sein.

**Beitrag der KI.** UADOK+ schlägt passende Schlüssel vor, die anschließend übernommen oder korrigiert werden können.

**Oberflächenentscheidung.** Die Vorschläge erscheinen direkt im bereits genutzten Kernsystem Cusa Prävention. Nutzende müssen keinen separaten KI-Dienst öffnen, Fälle erneut aufrufen oder Ergebnisse zurückübertragen. Die Unterstützung erscheint genau dort, wo die Entscheidung getroffen wird.

**Prüfung und Nutzen.** Die Kontrolle bleibt bei den Kodierenden: Vorschläge sind sichtbar, prüfbar und korrigierbar. So spart die Lösung den Kodierern pro Jahr weit über 500.000 Klicks.

## Seminarempfehlungen im Mitgliederportal: Sichtbarkeit und Relevanz

**Ausgangslage.** Die BG ETEM bietet versicherten Unternehmen ca. 300 Seminare zur Prävention an. Viele Betriebe wissen jedoch oftmals nicht, dass es solche Angebote gibt und welche Angebote für sie relevant sind.

**Beitrag der KI.** Ein Empfehlungssystem wählt potenziell passende Seminare aus und stellt sie im Mitgliederportal bereit.

**Oberflächenentscheidung.** Eine Kartenansicht macht mehrere Angebote unmittelbar sichtbar. Nutzende werden einerseits auf die Angebote hingewiesen und bekommen direkt relevante Angebote angezeigt.

**Prüfung und Nutzen.** Betriebe können Empfehlungen vergleichen und selbst auswählen. Zukünftig werden auch über 800 Medienangebote der BG ETEM mit integriert.

## Fazit: Die KI muss in den Arbeitsablauf passen

Die vier Beispiele zeigen, dass sich die Oberfläche aus der Aufgabe ergibt: Regress KI benötigt eine priorisierte Fallübersicht, RehaPlus eine strukturierte Erfassung, UADOK+ korrigierbare Vorschläge im Kernsystem und die Seminarempfehlungen eine sichtbare, vergleichbare Darstellung mehrerer Angebote.

Keines dieser Systeme benötigt einen Chatbot als Hauptoberfläche. Chatbots sind wertvoll, wenn Anliegen offen sind, Rückfragen nötig werden oder Nutzende einen Sachverhalt frei beschreiben möchten. Für klar definierte Aufgaben, strukturierte Daten und übersichtliche Ergebnisse gibt es meist passendere Oberflächen. Der Chatbot ist nicht der heilige Gral des Oberflächendesigns, sondern ein Werkzeug im größeren Werkzeugkasten.

**Nächster Schritt:** Beginnen Sie nicht mit der Frage nach Chat oder Nicht-Chat. Zeichnen Sie zuerst Aufgabe, Arbeitsablauf, benötigte Daten und Prüfschritte auf – daraus ergibt sich die Oberfläche wesentlich zuverlässiger.

 

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